SONNTAGSZEITUNG | 20.06.2010
Eine Schande für die Kurden
Hilfsorganisationen in Kurdistan setzen alles daran, weibliche Genitalverstümmelungen zu...
WELT online | 16.06.2010
Wie aus einer Tradition für Frauen ein Trauma wird
Beschneidung von Frauen ist im kurdischen Nordirak Brauch. Doch in der Region regt sich...
diestandard.at | 16.06.2010
Mehrheit der irakischen Kurdinnen FGM-Opfer
Menschenrechtsorganisation fordert gesetzliches Verbot der grausamen Praxis...
HRW | 16.06.2010
Irak/AR Kurdistan: Frauen und Mädchen leiden unter Folgen der Genitalverstümmelung
Regierung der Autonomen Region Kurdistan soll
Genitalverstümmelung verbieten.
JUNGE WELT | 12.02.2010
Frauen in Nordirak oft FGM-Opfer
Weit mehr als die Hälfte der Frauen im kurdischen Norden des Irak sind an den Genitalien...
Kölner stadtanz. | 05.02.2010
Menschenrecht gilt auch für Mädchen
Die Beschneidung von Mädchen stellt immer und überall Körperverletzung dar...
JUNGLE WORLD | 04.02.2010
Weibliche Genitalverstümmelung ist nicht nur ein afrikanisches Problem
Die weibliche Genitalverstümmelung ist kein »afrikanisches Problem«....
JUNGLE WORLD | 23.12.2009
Angst vor der ersten Nacht
Sexaufklärung im Nordirak: Wie heißt Klitoris auf Kurdisch, und gibt es ein Wort für...
JUNGLE WORLD | 19.03.2009
Eine Zukunft ohne Schnurrbart
Im Nordirak wächst wenige Wochen vor den Wahlen der Unmut über die kurdische Regierung...
friZ | 12.2008
Genitalverstümmelung:
Wandel ist möglich

Kampagne von lokalen Menschenrechts- und Frauenorganisationen erzielt...
SWISSINFO.CH | 15.12.2008
Der Kampf gegen Genital-verstümmelung in Nordirak
Schätzungen reden von jährlich rund zwei Millionen Mädchen und jungen Frauen...
SWISSINFO.CH | 15.12.2008
Kurdisches Regionalparlament
soll Genitalverstümmelung verbieten

Der Kampf gegen die Genitalverstümmelung im kurdischen Nordirak zeigt erste Erfolge...
JUNGLE WORLD | 15.05.2008
»Eine Ehre für die Familie«

Über die Genitalverstümmelung im kurdischen Nordirak und die Bemühungen, etwas dagegen zu tun...
HAGALIL.COM | 24.03.2008
Eine Handvoll Asche

Ein aufrüttelnder Film über die tabuisierte Beschneidung im Nordirak und die Rechtfertigung...
HPD | 06.02.2008
Und dann haben Sie Asche draufgetan...

Der 6. Februar ist Internationaler Tag gegen Mädchenbeschneidung...
BRIGITTE.DE | 06.02.2008
Genitalverstümmelung - ein globales Problem

"Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung" - seit fünf Jahren steht der 6. Februar für...
diePRESSE.COM | 16.06.2006
Irak:"So viele Mädchen sind beschnitten"

Die Hilfsorganisation "WADI" kämpft für Frauenrechte im Nordirak...
JUNGLE WORLD | 31.08.2005
Kontrolle und Tabu
Im kurdischen Nordirak ist die Genitalverstümmelung von Frauen weit verbreitet...

 

 

 

 


 

diePresse.com | 16.06.2006

Irak: "So viele Mädchen sind beschnitten"


Die Hilfsorganisation "Wadi" kämpft für Frauenrechte im Nordirak.


von Wieland Schneider

Die Stimme des Muezzins durchbricht die Stille. Doch diesmal ruft er nicht zum Gebet. "Alle Frauen sollen sich bei der Schule versammeln", tönt es aus den Lautsprechern der Moschee. Minuten vergehen. Dann tauchen zwischen den niedrigen Lehmhäusern die ersten Gestalten auf - eingehüllt in lange bunte Gewänder, die Köpfe mit weißen oder schwarzen Tüchern bedeckt. In der Hitze der Mittagssonne marschieren die Frauen langsam auf die Schule des nordirakischen Dorfes Awaqut zu.

Der kleine Ort nahe der Stadt Kifri ist einer der letzten Außenposten der irakischen Kurdengebiete. Die meisten Nachbardörfer sind bereits arabisch. Hier beginnt die Zone, in denen sunnitische Rebellen ihr Unwesen treiben. Fernab davon, in den kurdischen Machtzentren Suleimania und Arbil, interessiert man sich kaum für Awaqut. Die Dorfstraßen sind ungeteert. Einzig das Schulgebäude ist in gutem Zustand.

Langsam füllt sich die Klasse. Dutzende Frauen quetschen sich in die Bänke. Vor der Schule haben sich einige Männer versammelt, werfen neugierige Blicke auf den Eingang des Gebäudes. Doch sie haben heute keinen Zutritt. Denn heute sollen die Frauen unter sich bleiben und ungestört über wichtige Themen sprechen.

Als klar wird, wie brisant das Thema ist, wird es laut in der Klasse. "Wir müssen diesen Film nicht sehen", brüllt eine Dorfbewohnerin. "Ach was. Hören wird doch einfach, was sie uns zu sagen haben", entgegnet eine andere. Der Film, den die Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation "Wadi" vorführen, berührt ein Tabu: Genitalverstümmelung an Mädchen.

"Es ist erschreckend, wie viele Frauen hier in den Dörfern beschnitten sind", berichtet Hero Nejib Samin, medizinische Assistentin der mobilen Teams von "Wadi". Die Teams der Hilfsorganisation suchen auch die entlegensten Orte auf, um den Bewohnerinnen medizinische Unterstützung zu leisten und ihnen in Rechtsfragen beizustehen. "Wir haben zu den Frauen in Awaqut bereits eine sehr enge Beziehung aufgebaut", meint Samin. "Andernfalls hätten wir diesen Film gar nicht zeigen können."

In dem "Wadi"-Aufklärungsfilm wird den Frauen erklärt, wie gefährlich Verstümmelung der Genitalien für die Mädchen ist. Auch zwei Mullahs kommen zu Wort, erklären, dass Beschneidung nicht in Einklang mit dem Koran steht.

Für die "Wadi"-Mitarbeiterinnen ist wichtig, gerade bei den Frauen Bewusstseinsbildung zu betreiben. Es sei nämlich keineswegs so, dass nur die Väter die Beschneidung der Töchter verlangen. "Es gibt hier keinen großen Unterschied zwischen einem traditionell denkenden Mann und einer traditionell denkenden Frau", meint Samin. 108 Frauen haben in Awaqut an dem Aufklärungsprogramm von "Wadi" teilgenommen. 78 davon berichteten den Helferinnen, beschnitten zu sein. Erhebungen von "Wadi" zufolge dürfte in den Dörfern der gesamten Region Germian etwa 60 Prozent der Frauen und Mädchen beschnitten sein.

Suleimania, Hauptstadt der südlichen Kurdengebiete, liegt nur etwa hundert Kilometer von Awaqut entfernt. Doch es scheint, als läge sie am anderen Ende der Welt. Frauen in engen Jeans und offenem Haar spazieren durch die Straßen. Hier fällt es schwer zu glauben, dass Genitalverstümmelung auch im Nordirak ein Problem sein soll. "Beschneidung? Das gibt es doch nur in Afrika", meint ein kurdischer Beamter.

"Zu Beginn wollten die Behörden das Problem nicht wahrhaben", meint Mary Kreutzer von "Wadi"-Österreich. "Das hat sich aber rasch gebessert." An einer Konferenz über Beschneidung nahmen in der Kurden-Hauptstadt Arbil bereits Vertreterinnen der großen Kurdenparteien teil. Und zu dem Thema wurde eine eigene Kommission gebildet.

Für die Frauen von Awaqut ist Arbil mit seinen Konferenzen und Kommissionen weit entfernt. Sie sind in ihren Traditionen verhaftet. Diese zu ändern bedarf intensiver Aufklärung - und viel Zeit.