Unser gemeinsames Ziel:
Genitalverstümmelung umfassend ächten.
Obwohl der Kampf gegen Genitalverstümmelung in Kurdistan erst 2005 begonnen wurde, kann »Stop FGM in Kurdistan« schon beachtliche Erfolge vorweisen.
So sind täglich mobile Teams unterwegs, um in betroffenen Regionen erfolgreiche Aufklärungsarbeit zu leisten und Daten zu sammeln. Sogar ein Gesetzentwurf zum Verbot von FGM liegt, als Resultat einer intensiven Mobilisierung in Öffentlichkeit und lokalen Medien, dem kurdischen Parlament zur Abstimmung vor.
Irakisch-kurdusche Medien thematisieren FGM
Genitalverstümmelung, bis vor kurzem ein völliges Tabuthema, wird dank »Stop FGM in Kurdistan« inzwischen in der irakisch-kurdischen Öffentlichkeit so intensiv thematisiert wie in keinem anderen Land des Nahen Ostens. Lokale Medien, Zeitungen, Magazinen, Radiosendern und Talkshows berichten und debattieren nun endlich über Genitalverstümmelung und die damit zusammenhängenden Probleme: So befassen sich zum Beispiel Dokumentationssendungen kurdischer Fernsehsender damit und die bedeutendste unabhängige Zeitschrift »Hawlati« stellt wöchentlich eine Sonderseite für das Thema FGM zur Verfügung.
Mobile Teams arbeiten in entlegenen Regionen
Die Hilfsorganisation WADI unterstützt frauengeführte mobile Teams, die zur Bewusstseinsbildung beitragen, Aufklärung betreiben und praktische medizinische, soziale und psychologische Hilfe leisten. Sie besuchen Dörfer und Schulen vor allem in den ländlichen Gegenden, wo diese Hilfe schwer zu bekommen ist und der Bildungsstand der Frauen niedrig ist.
Die Teams arbeiten in entlegenen Gebieten der Regionen Suleymania, Halabja, Pishder, Qandil und Germian. Sie bestehen aus einer Ärztin/Krankenschwester und einer Sozialarbeiterin/Psychologin. Die den mobilen Teams zugrunde liegende Idee ist so einfach wie bestechend: Die Teams leisten auf der einen Seite praktische Hilfe (medizinische Versorgung, Medikamente, Hygieneartikel), soziale Beratung und konkrete Hilfe für Frauen in Not, auf der anderen Seite sprechen sie mit den Frauen über Sexualität und vor allem über FGM. Alle Teams arbeiten eng mit den örtlichen Frauenzentren und Schutzhäusern zusammen.
Dokumentarfilm für Frauen auf den Dörfern
Seit 2005 liegt der Schwerpunkt der Arbeit der mobilen Teams auf der FGM-Prävention. Die Teams zeigen einen Dokumentarfilm, der speziell für die (meist illiteraten) Frauen auf den Dörfern produziert wurde. Im Film kommen Ärzte, aber auch islamische Geistliche, die sich gegen FGM aussprechen, zu Wort. Der Film vermittelt einerseits Informationen und bietet andererseits Gelegenheit, mit den Frauen vor Ort in eine Diskussion über das Thema zu treten. Das Reden über FGM und das eigene Leiden ist zwar nur ein erster, aber doch ein wichtiger Schritt.
Die Teams genießen durch ihre kontinuierliche Arbeit viel Vertrauen in den betroffenen Dörfern; sie können dadurch ein Umdenken befördern. Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Frauen die Verstümmelungspraxis eigentlich gern beenden und auch ihre eigenen Töchter davon verschonen würden. Doch sie verfügen nicht über den notwendigen Rückhalt und den Organisierungsgrad, um dem starken sozialen Anpassungsdruck zu widerstehen. Die mobilen Teams können diese wichtige Funktion erfüllen.
Petition an das Regionalparlament
Aus Anlass des Internationalen Frauentages im März 2007 veröffentlichte die Kampagne »Stop FGM in Kurdistan« in sämtlichen lokalen Zeitungen eine Petition an das kurdische Regionalparlament, in dem sie ein gesetzliches Verbot der Genitalverstümmelung forderten. Diese Petition wurde in nur wenigen Tagen von mehr als 14.000 Menschen unterzeichnet, darunter auch prominente Journalisten, Künstler und Schriftsteller.
Gesetzentwurf zum Verbot von FGM ausgearbeitet
Aufgrund der großen öffentlichen Resonanz auf die Initiative wurde im April 2007 eine Expertenkonferenz mit Ärzten, Richtern sowie Frauen- und Menschenrechtsaktivisten einberufen, um einen Gesetzentwurf zum Verbot von FGM auszuarbeiten. Dieser Gesetzentwurf wurde ins Regionalparlament eingebracht und wird wohl in Kürze verabschiedet werden.
Studie zeigt erschreckende Ergebnisse
Im Jahre 2007 begann WADI mit einer groß angelegten Studie in allen drei Provinzen Irakisch-Kurdistans. Mit Unterstützung der Universität Landshut war zuvor ein Fragebogen entwickelt worden. Es wurden mehr als 1.800 Frauen aus unterschiedlichen Gegenden und sozialen Schichten befragt, um ein repräsentatives Gesamtprofil zu erhalten. Die Studien werden zur Zeit wissenschaftlich ausgewertet und sollen Ende 2009 publiziert werden.
Doch vorläufige Ergebnisse zeigen bereits, dass FGM weit verbreitet ist (von 60% bis nahezu 100% in manchen Regionen) und in fast allen Teilen des kurdischen Nordirak vorkommt – mit Ausnahme der Provinz Dohuk, wo die Verstümmelungsraten nur bei etwa 10% liegen.
Auch die letzten Ergebnisse aus der Region Pishder und Raniya, wie dramatisch die Situation ist: 95% der befragten Frauen und Mädchen sind verstümmelt.



